Wenn Gaming einen übermäßig großen Raum im Alltag einnimmt, kann es zu verschiedenen psychischen, sozialen und körperlichen Belastungen kommen. Erfahren Sie, welche Herausforderungen dabei auftreten können, welche Warnsignale ernst zu nehmen sind und welche Jugendlichen ein erhöhtes Risiko haben. Außerdem erhalten Sie Hinweise, wie Sie frühzeitig unterstützen und Risiken präventiv begegnen können.
Wenn digitales Spielen im extremen Maße betrieben wird, kann es zu ernsthaften Belastungen kommen. Dazu zählen psychische Probleme wie Depressionen, Angstzustände oder Einsamkeit. Auch soziale Isolation, Rückzug aus dem Freundeskreis, schulische oder berufliche Schwierigkeiten sowie finanzielle Belastungen durch In-Game-Käufe sind mögliche Folgen.
Dabei ist wichtig zu beachten: Viele dieser Ergebnisse zeigen zunächst vor allem Korrelationen – das heißt, exzessives Spielen tritt häufig gemeinsam mit psychischen oder sozialen Problemen auf. Ob das Spielen die Probleme verursacht oder ob Menschen mit bestehenden Belastungen eher zu übermäßigem Spielen neigen, ist nicht immer eindeutig. Erste Längsschnittstudien und theoretische Modelle deuten jedoch darauf hin, dass extremes Spielen die genannten Schwierigkeiten langfristig verstärken kann – etwa durch sozialen Rückzug, den Druck, ständig „dabei zu sein“, oder den Versuch, Belastungen durch Spielen zu kompensieren.
Langes Sitzen und Bildschirmzeit können zu Bewegungsmangel, Augenbelastung, Schlafproblemen und körperlichen Beschwerden wie Verspannungen oder Rückenschmerzen führen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat 2018 die Gaming Disorder als offizielle Diagnose anerkannt. Warnsignale für problematisches Spielverhalten sind unter anderem:
Kontrollverlust über Beginn, Dauer und Häufigkeit des Spielens
Vernachlässigung anderer Lebensbereiche wie Schule, Familie oder Freundschaften
Weiterspielen trotz negativer Folgen
Gereiztheit oder Unruhe, wenn nicht gespielt werden kann
Rückzug aus dem sozialen Leben
Ein erhöhtes Risiko für problematisches Spielverhalten haben:
Menschen mit Depressionen, ADHS oder Angststörungen
Personen mit niedrigem Selbstwertgefühl oder wenig sozialen Kontakten
Impulsive Menschen, denen es schwerfällt, Grenzen einzuhalten
Spielende, die exzessiv motivierende Spielmechaniken nutzen (z. B. Belohnungssysteme, soziale Anerkennung)
Um Risiken vorzubeugen, sind folgende Maßnahmen hilfreich:
Ausgleich schaffen: Soziale Kontakte pflegen, Hobbys außerhalb des Digitalen
Frühe Unterstützung: Lehrkräfte, Eltern oder Fachstellen einbeziehen, wenn Warnsignale auftreten
Professionelle Hilfe: Bei starker Belastung gibt es Beratungsstellen und Therapieangebote
Die Medienpädagogische Beratungsstelle des Landesmedienzentrums Baden-Württemberg unterstützt Eltern sowie Pädagoginnen und Pädagogen bei Fragen und Herausforderungen rund um die digitale Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Expertinnen bieten praxisnahe individuelle Beratung zu Themen wie Mediennutzung, Datenschutz, Cybermobbing, Social Media, Gaming und digitalen Lernumgebungen. Mit Fachwissen, Empathie und praxisnahen Ideen unterstützen sie Sie gerne dabei, Kinder und Jugendliche stark für die digitale Welt zu machen!
Stavropoulos, Vasileios et al. (20.05.2021). The role of internet gaming in the association between anxiety and depression: A preliminary cross-sectional study. Verfügbar unter: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/appy.12474 (Zugriff am: 15.12.2025).