Gaming – Digitale Lebenswelten von Jugendlichen
Section outline
- Übersicht
- Förderliche Aspekte
- Emotion & Motivation
- Persönliche Herausforderungen
- Problematiken im Umfeld
- Handlungsempfehlungen
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Digitale Spiele bieten Jugendlichen weit mehr als Ablenkung oder Unterhaltung. Sie fordern kognitive Fähigkeiten heraus und eröffnen vielfältige Möglichkeiten für soziales Lernen.
ProblemlösenEntscheidungen unter Druck
Viele bei Jugendlichen beliebte digitale Spiele sind komplexe Systeme, die strategisches Denken und kreative Lösungsansätze erfordern. Ein Beispiel dafür ist Minecraft: Spielende müssen Ressourcen verwalten, Strukturen planen und Hindernisse überwinden. Dabei wird nicht nur räumliches Denken geschult – für diesen Bereich gibt es auch wissenschaftliche Belege für positive Effekte – sondern auch die Fähigkeit, komplexe Probleme in kleinere, lösbare Schritte zu zerlegen.
Auch in kompetitiven Spielen wie Fortnite oder Brawl Stars sind schnelle Entscheidungen gefragt. Spielende entwickeln Strategien, reagieren flexibel auf neue Situationen und passen sich dynamisch an das Spielgeschehen an. Solche Fähigkeiten zeigen sich vor allem innerhalb des Spiels oder Genres – ob und in welchem Umfang sie auf andere Lebensbereiche übertragbar sind, wird in der Forschung unterschiedlich bewertet.
EmpathieRollen erleben, Gefühle verstehen
Viele Spiele erfordern, sich in andere hineinzuversetzen: Besonders Rollenspiele, narrative Games und Multiplayer-Spiele mit Teamfunktionen ermöglichen es Spielenden, in andere Rollen zu schlüpfen und verschiedene Perspektiven einzunehmen.
In kooperativen Spielumgebungen ist es notwendig, die Bedürfnisse und Handlungen anderer zu verstehen, um gemeinsam erfolgreich zu sein. Durch das Erleben von Geschichten aus der Sicht unterschiedlicher Charaktere oder das Navigieren komplexer sozialer Dynamiken in virtuellen Gemeinschaften entwickeln Spielende ein besseres Verständnis für Emotionen, Motivationen und zwischenmenschliche Zusammenhänge.
PerspektivwechselAndere Sichtweisen einnehmen
Manche Spiele fordern, die Perspektive zu wechseln: sei es, um die Denkweise eines Gegners zu verstehen oder um gemeinsam im Team erfolgreich zu sein.
Life is Strange ermöglicht beispielsweise einen spielerischen Perspektivwechsel, indem die Zeitreise-Fähigkeit der Protagonistin Max Spieler dazu zwingt, die unmittelbaren und langfristigen Konsequenzen verschiedener Entscheidungen für sich selbst und alle anderen Charaktere hautnah zu erleben. Dadurch fördert das Spiel aktiv die Empathie und das Nachdenken über die Motivationen und Gefühle anderer Menschen.
KommunikationAustausch & Kooperation
Spiele wie z. B. Multiplayer-Spiele fördern die Zusammenarbeit und Kommunikation im Team. Spieler müssen sich absprechen, Rollen verteilen, gemeinsame Strategien entwickeln und Konflikte lösen, um ein Ziel zu erreichen. Dies stärkt Teamfähigkeit und soziale Kompetenzen.
In Online-Spielen ist effektive Kommunikation oft entscheidend für den Erfolg. Spieler lernen, klar und präzise zu kommunizieren, zuzuhören und Informationen schnell zu verarbeiten.
KreativitätWelten gestalten
Viele Spiele bieten Raum für Kreativität, sei es beim Bauen eigener Welten, beim Entwerfen von Charakteren oder beim Finden unkonventioneller Lösungswege für Herausforderungen im Spiel. Spiele wie Minecraft, Luanti oder Blockalot bieten Raum für kreative Gestaltung. Jugendliche entwerfen Charaktere, bauen Welten und erfinden neue Lösungswege. Auch Apps wie Gacha Life oder Gacha Club fördern Fantasie und Storytelling.
Diese aktive Gestaltung fördert die digitalen Fertigkeiten, das Problemlösungsvermögen und das Verständnis für digitale Werkzeuge. Jugendliche werden vom passiven Konsumenten zum aktiven Produzenten, was ein tieferes Verständnis für die Struktur und Möglichkeiten digitaler Medien schaffen kann.
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